Nicht nur ein Buch, was stark macht – Rezension und Autoreninterview

Der Mittlere mag es mit seinen sieben Jahren noch sehr, wenn wir ihm Geschichten vorlesen, auch wenn er nun am Ende der ersten Klasse selber gut lesen kann. Neulich stießen wir auf das Buch „Ab heute bin ich stark“ von Birgit Gröger, welches mit Bildern von Angela Fischer-Bick in der Reihe kerle des Herder-Verlages erschienen ist.

Das Buch mit einem Siebenjährigen gelesen

Das Buch enthält insgesamt 15 Kurzgeschichten über Situationen, die Kinder erleben und wie sie damit umgehen können:

Da ist Arno, der typische Junge, der Fußball spielt und Fußballkarten sammelt und mit Plüschtieren so rein gar nichts anfangen kann. Doch als er mal bei einem Gewitter alleine zu Hause ist, wird die Kuschelmaus, die er letztens von seiner Tante geschenkt bekam, doch zu einer Kuschelmaus zum Liebhaben.
Oder Konstantin, der sich in einem großen Kaufhaus verläuft und verzweifelt seine Eltern sucht.
Oder Florentine, die so gerne Fangen spielt und im Kindergarten Tobias kennenlernt, der in einem Rollstuhl sitzt und gar nicht laufen kann. Aber umso schönere Papierflieger bauen kann.

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Der Mittlere fand die Geschichten sehr gut. „Das mit dem Kaufhaus fand ich sehr sehr spannend“, meint er. Gerade die Fragen am Ende einer jeden Geschichte brachten uns dazu, uns noch intensiver über die Geschichten zu unterhalten und auch darüber, wie er selber in mancher Situation handeln würde: Würde er im Kaufhaus weiter weg laufen oder zu einer Verkäuferin gehen? „Bei Florentine fand ich es gut, dass sie das Papierflieger basteln gefunden haben, um mit Tobias zu spielen.“ Seine kleinen Geschwister empfindet unser Siebenjähriger übrigens gar nicht als „kleine Monster“ wie Leon in der gleichnamigen Geschichte im Buch „Ab heute bin ich stark“, der endlich großer Bruder wird: „Gut, dass er sein Geschwisterchen dann doch auf den Arm genommen hat.“

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Buch: Ab heute bin ich stark
Autorin: Birgit Gröger
Verlag: Herder Verlag
ISBN: 978-3-451-71112-1

“Ich bin doch gar nicht müde“ sagt der Spatz

Birgit Gröger hat auch ein Buch für kleinere Kinder geschrieben: Ein Gute-Nacht-Buch über den kleinen Spatz Max, der ja gar nicht müde ist. Im Mai 2015 ist es mit Bildern von Grundschülern illustriert in der edition winterwork erschienen.

Ich bin doch gar nicht müde - Kinderbuch von Birgit Gröger

Unsere kleine Maus, jetzt 2,5 Jahre, mag Max sehr gerne, besonders wenn sie so gar nicht müde ist. Sie sucht ihn dann auf den Seiten und hört genau zu, was der Spatz so erlebt. Ein schönes Buch für das Einschlafritual!

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Ein Detail: Die kleine Raupe, die den Spatz zu begleiten scheint.

Buch: Ich bin doch gar nicht müde
Autor: Birgit Gröger
Verlag: edition winterwork
ISBN: 978-3-86468-939-0

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Wie Birgit Gröger auf ihre Ideen zu ihren Geschichten kommt und warum Kinder das Buch „Ich bin doch gar nicht müde“ illustriert haben, hat sie mir in einem kleinen Interview erzählt.

Ein Gespräch mit der Autorin Birgit Gröger

Warum schreiben Sie Kinderbücher?

Ich scBirgit Gröger Autorin Foto: privathreibe Kinderbücher, weil es mir ein großes Anliegen ist, die alltäglichen Sorgen und Nöte der Kinder ernst zu nehmen und auf diese Weise Möglichkeiten der Verarbeitung anzubieten, damit Kinder stark und selbstbewusst werden. Die Inhalte meiner Geschichten haben deshalb auch immer etwas mit der Lebenswirklichkeit zu tun.

Gleichzeitig liegt mir als Grundschullehrerin natürlich die Leseförderung am Herzen.
Deshalb sind auch alle meine Geschichten bei ANTOLIN, dem Leselernportal für Schulen, gelistet. Hier können die Kinder Fragen zum Inhalt beantworten, Punkte sammeln und diese vom Lehrer honoriert bekommen. Auf Autorenlesungen entdecken meine Zuhörer, wie spannend und interessant das Lesen sein kann.

Was haben Sie erlernt, womit verdienen Sie quasi Ihr Geld? Hat es etwas mit Kindern zu tun?

Ich bin Grundschullehrerin. Schon früh habe ich mich für Tätigkeiten mit Kindern interessiert. Als Jugendliche war ich als Babysitterin und Animateurin für Kindergeburtstage aktiv. Später erteilte ich Nachhilfe und entdeckte mein Talent zur Wissensvermittlung. So blieb es nicht aus, dass ich mich für das Lehramtsstudium entschied. Vor einigen Jahren entwickelte ich meine eigene Lerntherapie LeKoWa ®, da ich feststellte, dass manche Kinder und Jugendliche mit einigen Stunden Einzelunterricht besser die gesetzten Anforderungen erfüllen können.
Ehrenamtlich engagiere ich mich als Jugendschöffin, um Jugendlichen wieder die richtige Orientierung zu weisen. Als Stadtverordnete bin ich auch politisch aktiv. Hier liegen mir ebenfalls die Belange der Kinder und Familien am Herzen.
Insgesamt haben alle meine Tätigkeiten und Interessen immer etwas mit Kindern zu tun.

Woher kommen Ihre Ideen für Ihre Geschichten?

Die stammen zum Teil aus eigenen Erfahrungen, aus den Erlebnissen mit meinen eigenen beiden Kindern, die mittlerweile erwachsen sind, und natürlich aus den vielen Gesprächen und Erfahrungen mit meinen Schulkindern. Meine allererste Geschichte war die des kleinen Spatzen Max, der nicht schlafen möchte. Ich schrieb sie, als mein Sohn noch ganz klein war und immer nicht einschlafen wollte. Letztes Jahr konnte ich diese endlich veröffentlichen, was mir ein großer Herzenswunsch war. Da sie meine erste Geschichte für Kinder war, sollte sie auch etwas ganz Besonderes werden und auf jeden Fall als eigenes Buch erscheinen. Ich weiß nicht wie oft ich daran herum gefeilt habe, bis ich endlich ganz zufrieden war. Da ich aber nur schreiben, aber nicht malen kann, war ich lange auf der Suche nach einem passenden Illustrator. Durch Zufall erhielt ich in der Schule ein Projekt und holte dafür diese Geschichte aus der Schublade. Ich ließ die Kinder einfach einmal zu einzelnen Szenen malen und war total überrascht, wie schön die Bilder wurden. Und obwohl dies gar nicht geplant war, erfüllte ich den Wunsch meiner Schüler, engagierte eine sehr nette Grafikerin und veröffentlichte das Buch „Ich bin doch gar nicht müde“. Es wurde wunderschön.

Was hat Sie zu Ihrem neusten Buch „Alima, das Mädchen aus Aleppo“ bewegt?

Die Ideen zu diesem Buch lieferten mir die zahlreichen Nachrichten zur Flüchtlingsproblematik. Da ich selbst viele Kinder unterrichte, die ausländische Wurzeln haben oder sogar geflüchtet sind, begann ich zu recherchieren. Was mich interessierte, waren die menschlichen Schicksale, die hinter den Schlagzeilen stehen, vor allem die der Kinder. Sie verstehen die furchtbare Situation der Schrecken des Krieges am wenigsten und sehnen sich doch, wie alle Kinder, nach Frieden und Geborgenheit. Mit dieser Geschichte möchte ich an Toleranz und Mitgefühl, vor allem gegenüber Kindern, appellieren. Die Illustrationen stammen übrigens wieder von einer 13-jährigen Schülerin.

Wie läuft der Schaffensprozess zu einer Geschichte bei Ihnen ab?

Da ich nicht hauptberuflich als Autorin arbeite, schreibe ich nur sporadisch, also nur wenn ich Zeit und Muße habe. Zum Glück habe ich noch einen anderen Beruf, denn „reich“ wird man mit dem Bücherschreiben nur in den seltensten Fällen. Hat man das große Glück, einen renommierten Verlag gefunden zu haben, muss man zwar nicht selbst für sein Buch werben, erhält pro Buch aber nur sehr wenig Marge. Leider darf ich laut Vertrag darüber nicht sprechen, es ist aber wirklich so wenig, dass jeder erstaunt wäre. Davon leben könnte ich auf gar keinen Fall, deshalb ist es auch nur ein schönes Hobby.
Die besten Ideen habe ich in der Nacht, wenn alle schlafen, mich niemand stört, kein Hund Gassi gehen muss, kein Postbote und kein Telefon klingelt… Da gerate ich regelrecht in einen sogenannten Flow, vergesse alles um mich herum, sogar das Essen und Trinken, und tauche komplett in meine Geschichte ein. Das geht natürlich nur, wenn ich am nächsten Tag nicht früh aufstehen muss!
Ansonsten habe ich überall meine Notizbücher dabei, damit ich mir meine Gedanken und Ideen gleich aufschreiben kann, denn später habe ich sie meist wieder vergessen.

Wer ist Ihr größter Kritiker und warum?

Mein größter Kritiker bin zuallererst ich selbst. Bis ein Text einmal „reif“ für eine Veröffentlichung ist, feile ich sehr lange an den Formulierungen und Inhalten herum. Manche Texte liegen einige Jahre in der Schublade und werden immer wieder einmal von mir umgeschrieben, ergänzt oder korrigiert.
Mein wichtigster Kritiker allerdings ist meine Tochter. Sie ist ja diejenige, die mich überhaupt zum Schreiben von Kinderbüchern gebracht hat, indem sie sich als kleines Mädchen jedes Jahr zum Geburtstag eine Geschichte von mir wünschte. So entstand nach der Geschichte des kleinen Spatzen Max mit dem Titel „Ich bin doch gar nicht müde“ die erste Geschichte, die ich für sie ganz alleine geschrieben habe: „Hanna und ihr Wackelzahn“, veröffentlicht im Buch „Ab heute bin ich stark“. Während meine Tochter als kleines Mädchen noch kritiklos alle meine Geschichten toll fand, ist sie jetzt sehr ehrlich und teilt mir ihre Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge knallhart mit. Das ist aber auch sehr wichtig, denn man ist als Autor selbst manchmal „betriebsblind“ und in manchen Formulierungen oder Ideen regelrecht gefangen. Dann ist es gut, jemanden zu haben, der einen aus dieser Blockade herausholt oder zumindest auf Unzulänglichkeiten hinweist.

Was Birgit Gröger jungen Autoren empfiehlt, könnt ihr auf ihrer Seite nachlesen.

Sie meint übrigens:

„Jeden, der Lust hat zu fabulieren und sich phantasievolle Geschichten auszudenken, kann ich nur zum Schreiben ermutigen. Manchmal muss man einfach nur anfangen, dann fallen einem immer weitere Ideen ein!“

Liebe Frau Gröger, danke, dass Sie sich die Zeit für meine Fragen nahmen. Wir sind von Ihren Büchern begeistert und gespannt auf weitere Kurzgeschichten mit und für Kinder!

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