Über die Vereinbarkeit von Freiberuflichkeit und Familie

Hande, von Anja GoritzkaDie erste Woche ist vorbei, in der unser Baby-Boy nun Krippenkind ist. Mein Arbeitsrhythmus als Freiberuflerin hat sich schon stark verändert. Ich bin freier in der Wahrnehmung von Terminen und im Abarbeiten meiner Themen und Texte, schaffe auch mehr, irgendwie…und habe obendrein auch noch mehr Zeit für die Familie.

Aber so ein wenig fehlt mir mein kleiner Schelm im Arbeitsalltag. Er ist ja erst sechs Monate alt…

 

…und ja, schon Krippenkind. Viele sind bestimmt jetzt entsetzt:

Wie kann man nur? Warum machst du das? Und was ist mit Stillen?

Fangen wir von hinten an: Ja, ich stille noch und zwar abends, nachts und morgens, weil er es braucht und weil es gerade morgens bequemer ist. Nachts verarbeitet er gerade sehr intensiv, so dass ich ab Mitternacht alle paar Stunde wach bin, mich um ihn kümmere oder eben stille. Da ist es schonmal gut, dass ich nicht um acht Uhr in irgendeinem Büro sitzen muss, sondern wir ihn zur Krippe bringen können, wann wir es möchten. Meist ist das vormittags gegen neun zusammen mit seiner Schwester, die ja in die gleiche Gruppe geht. Dann sitze ich, wenn mein Mann das übernimmt, ab 9.30 Uhr, sonst ab zehn in meinem Büro.

Freiberufler gibt es wie Sand am Meer

Warum wir ihn in die Krippe gegeben haben? Weil die Notwendigkeit bestand: Ich bin Freiberuflerin. Meine Auftraggeber verlassen sich auf mich. Aber es besteht bei Freiberuflern halt immer die Gefahr, dass sich Auftraggeber andere Ausführende suchen. Gerade bei Elternzeit ist diese Gefahr eben einfach mal zu hoch, jedenfalls in meiner Branche, denn hier gibt es Freiberufler wie Sand am Meer, auch in Vorpommern. Ich habe mir aber nicht umsonst diesen Job ausgesucht! Ich möchte nicht nach einem Jahr von Null beginnen.

Ich bin Freiberuflerin und das bin ich gerne. Ich mag meine Arbeit und habe mich mit Hilfe einer Mentorin 2011 ganz bewusst für diesen Weg entschieden. Mein Mann steht da voll hinter mir, was gut ist, denn ohne einen Partner, der alles mitträgt, wird es schwierig. Wir, ich, wollten aber auch immer eine Großfamilie, maximal fünf Kinder. Wir sind jetzt bei vier! 😉

Freiberuflichkeit und Familie ist kein Widerspruch

Um die Freiberuflichkeit bzw. die Arbeit allgemein und den Bereich Familie zu vereinbaren, bedarf es aber einer anderen Denke. Arbeit und Privatleben sind bei uns kein Widerspruch, keine zwei unterschiedliche Leben, nein, im Gegenteil: Unsere Arbeit gehört zu unserem Leben genauso wie unsere Kinder, unsere Freunde, unsere Hobbies. Also, müssen wir nicht extra Platz schaffen für eines, um das zu haben, sondern leben es intensiv zusammen. Ich durfte genau darüber 2015 bei dem Projekt shades of orange von Kristiane Marx (Damit ihr das besser versteht, habe ich den Beitrag hier mal verlinkt!) schreiben.

Kita oder Tagesmutter oder doch lieber bei Oma?

Aber, ja jetzt kommt das ABER: Ich liebe mein Baby sehr, ich kann ihn aber ab einem bestimmten Alter nicht mehr auf Termine mitnehmen. Auch das konzentrierte Texten wird schwieriger, wenn ich nebenbei immer wieder den Baby-Boy umdrehen muss, weil er sich auf den Bauch gedreht hat, obwohl er das gar nicht wollte. Ich unterbreche Arbeitsprozesse für meinen Sohn, weil er Hunger hat, die Windel voll ist oder er schlafen will, und muss, wenn er schläft, schnell den Arbeitsprozess abschließen. Auf Dauer über Monate hinweg macht es keinen Sinn, weil ich dann ja auch nicht die Aufträge schaffe und dann sind wir wieder beim gleichen Thema: Der Kunde sucht sich jemand anderes.

Also, muss eine Lösung her. Unsere ist die Krippengruppe in der Kita unserer Tochter. Die kam übrigens im Sommer 2014, als sie sechs Monate alt war, auch da hin. Und es tat ihr so gut. Sie ist so eine selbstbewusste, erstaunliche, fantasievolle Persönlichkeit! Ach, und die Kita ist dieselbe, in der auch ihre beiden großen Brüder schon gegangen sind. Wir kennen alle Erzieher, wir kennen die Ausrichtung, das, was der Kindergarten von uns verlangt und das, was wir verlangen dürfen. Es ist ein sehr kooperatives Verhältnis und das macht es bei uns überaus einfach. Auf Grund dieser Erfahrungen kam für uns nur diese Kita in Frage, andere entscheiden sich da für eine Tagesmutter, weil die Atmosphäre intimer, häuslicher ist, wiederum andere spannen Oma oder andere Verwandte mit ein.

Wir sind priviligiert und ich bin dankbar dafür

Fakt ist aber auch, das wir priviligiert sind!
Priviligiert, weil wir so eine Kita hier haben.
Priviligiert, weil auch das Jugendamt hier anfangs – bei den Jungs – klar sagte: „Wenn sie arbeiten wollen, dann sollen sie das auch! Wir genehmigen den Platz!“
Priviligiert, weil es auch vor Krippenbeginn immer möglich war, dass mein Mann das Baby mit zur Arbeit nahm oder weil das auch möglich ist, wenn ich einen Termin habe und eines der Kinder krank ist.
Priviligiert, weil wir Familie & Freunde haben, die auch mal einspringen, wenn es hart auf hart kommt.

An einigen Faktoren der Vereinbarkeit kann man selber als Familie, als Eltern, gut schrauben (Stichwort: soziales Netz), bei anderen ist man stark auf die Gesellschaft angewiesen. Ein persönliches Beispiel: Meine Freiberuflichkeit stand schon einmal im Raum: Das war 2008, kurz nach der Geburt des Mittleren. Damals in Hamburg bekam ich sofort zu hören: „Warum wollen sie sich den selbständig machen? Bleiben sie doch bei ihren beiden Kindern. Das ist doch besser.“ Die Person, die das zu mir sagte, war eine Mitarbeiterin des dortigen Jugendamtes und lehnte mit diesen Worten meinen Antrag auf zwei Krippenplätze ab.

Mehr Offenheit in der Gesellschaft für Familie und Beruf

Viele haben es viel schwerer ihren Job/Beruf(ung) mit ihren Familienleben zu vereinbaren, dabei kann es funktionieren, wenn…ja wenn zum Beispiel nicht nur die Frau immer gefragt wird: „Wie machen sie es denn, wenn die Kinder krank werden?“ wenn Kinder bekommen nicht als Problem gesehen wird, sondern als Bereicherung. Ich lerne in meiner Rolle als Mutter so viel: Teamfähigkeit, Flexibilität, Organisationstalent usw.

Ich wünsche mir einfach mehr Offenheit in der Gesellschaft und einen natürlicheren Umgang mit den Bereichen Familie und Arbeit, denn beides gehört zusammen zu einem Leben!

Was denkst du? Schreib mir gerne deine Meinung im Kommentar!

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3 thoughts on “Über die Vereinbarkeit von Freiberuflichkeit und Familie

  1. Toll, dass ihr für euch einen so tollen Weg gefunden habt und beide arbeiten könnt. Dass du dich selbstständig machen konntest, ist für dich als Person sicherlich auch wichtig gewesen. Nicht nur (wie von der Dame im Jugendamt) aufs Mama-sein reduziert zu werden, wenn man das nicht möchte. Ich lese gerne Varianten, wie andere Familie Beruf und kleine Kinder vereinbaren. Und flexible Kitas sind da super wichtig! Wir haben uns en halbes Jahr mit einer Babysitterin ausgeholfen und jetzt seit 2 Wochen einen Kitaplatz. Das ist nicht selbstverständlich.
    Alles Gute euch und liebe Grüße,
    Juli

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